Nachruf Werner Blab

Freundeskreis Partnerschaft Wischgorod e. V.

Vor fast dreißig Jahren wurden die ersten Kontakte zwischen der Ukrainischen Stadt und dem Rayon Wischgorod, ca. 25 km nördlich von Kiew, und unserer Gemeinde geknüpft. Aus den ersten gegenseitigen Besuchen von Ratsdelegationen, gefolgt von der Unterzeichnung von Partnerschaftsurkunden im Jahre 1992, ist heute eine lebendige Partnerschaft gewachsen. Diese Partnerschaft wird auf immer mit dem Namen Werner Blab verknüpft sein.

1991, fünf Jahre nach der Katastrophe von Tschernobyl, brachte ein Omnibus zum ersten Mal 40 Kinder aus der Ukraine zur Erholung nach Eichenau. Damit begann Werner Blabs intensives Engagement für Stadt und Landkreis Wischgorod. In dieser Zeit, als nach dem Zerfall der Sowjetunion echte Kontakte zu östlichen Ländern möglich wurden, entschied sich die Gemeinde Eichenau für humanitäre Hilfeleistung an die Bewohner der Stadt Wischgorod. Die damalige Not der Menschen hat Werner Blab berührt und angerührt. Damit begann Werner Blabs intensives Engagement für Wischgorod.

Mit einem Team engagierter Freunde startete er Spendenaktionen, Geld und Lastwagen voller Sachwerte kamen zusammen, Werner Blab kümmerte sich um kostenlose LKWs, um Fahrer, um die nötigen Papiere, er legte selbst mit Hand an beim Verladen der Güter. Von 1994 bis 2004 fuhr jährlich ein solcher Hilfstransport nach Wischgorod, häufig von Werner Blab begleitet. Als die Gemeinde begann, in jedem Sommer Kinder aus Wischgorod einzuladen, beteiligte sich Werner Blab an der Sorge für die Unterbringung und an der Ausgestaltung von Tagesprogrammen für die Ferienkinder. Er war immer ansprechbar, er war ein Kümmerer, wie wir heute sagen würden, er erkannte Probleme und entwickelte Lösungsansätze, fand dankenswerterweise tatkräftige Helfer und Helferinnen, die ihm halfen, seine Ideen umzusetzen.

Als die Gemeinde Eichenau sich als solche aus der Gestaltung der Partnerschaft zurückzog und diese Aufgabe den Bürgern direkt anvertraute, war es an dem langjährigen Gemeinderat Werner Blab, zusammen mit anderen im Jahre 2000 einen Verein „Freundeskreis Partnerschaft Wischgorod“ ins Leben zu rufen, dessen Gründungsvorsitzender er dann folgerichtig auch wurde. Hier brachte er all seine Erfahrungen ein, seine umfassenden Einblicke und sein verlässliches Gedächtnis waren in dieser „Gründerzeit“ von unersetzlichem Wert.

Die Einrichtung eines Hauses für verlassene Kinder in Wischgorod stellte sich ihm und dem Verein als erste Aufgabe. Die damalige Rektorin der Josef Dering Schule in Eichenau, Magdalena Holzner, hatte bei einem Besuch mit einer kleinen Delegation die desolate Situation vieler verlassener und verwahrloster Kinder in der Ukraine gesehen. In nächster Nähe zu Wischgorod fanden sie einen verkommenen Kindergarten, dessen Bausubstanz noch brauchbar und dessen Renovierung möglich erschien. Werner Blab war sofort dabei und unterstützte das Projekt mit allen seinen Kräften. Er konnte die Schieflagen analysieren, er konnte nach Lösungen suchen und fand diese auch. Schließlich gewann er, das nennen wir heute einen Teamplayer, zupackende Freunde. Viel Verhandlungsgeschick war von Nöten, auf beiden Seiten der Partner. Seine Hartnäckigkeit kam ihm dabei zu Hilfe.

Es lässt sich heute kaum mehr beschreiben, wieviel Mühe und Einsatz der Aufbau des Kinderhauses kostete. Dabei entstand auch eine richtige Freundschaft zwischen Werner und dem späteren Leiter und „Direktor“ des Kinderheims, Kolja Schadan, der sein Partner und Bauleiter war. Die beiden hatten schon ihre sprachlichen Verständigungsprobleme, was sich aber beim Schachspielen keineswegs als hinderlich erwies. Für die Kinder im Haus war und blieb er der „gute Onkel aus Deutschland“.

Die Aktivitäten in und um Wischgorod lagen, seit Bestehen der Partnerschaft Werner Blab besonders am Herzen. Hier in Eichenau, wie drüben in der Ukraine, hatte er seinen Platz, seine Freunde, seinen „Freundeskreis“. Wir, seine Freunde und Mitarbeiter vom Verein, mussten aber erkennen, wie seine Kraft durch seine Krankheit immer mehr nachließ. 2010 gab er den Vorsitz des Vereins ab. Das hinderte ihn aber nicht, mit stets wachem Interesse die Aktivitäten seines Vereins weiter zu verfolgen und an den Sitzungen teilzunehmen. So blieb die Verbundenheit zu den Menschen, hier und in Wischgorod.

Wir vom Freundeskreis nehmen in Wehmut und Dankbarkeit Abschied von Werner Blab, einem Menschen, der mit all seinen Möglichkeiten dem Aufruf zu tatkräftiger Nächstenliebe gefolgt war und damit ein Beispiel gegeben hat. So wird er uns in Erinnerung bleiben.

Danke, Werner Blab!

Nachruf von Freunden aus Wischgorod

Im Namen aller Freunde aus Wischgorod möchte ich allen Verwandten des vor fast einem Monat verstorbenen Herrn Werner Blab mein aufrichtiges Beileid aussprechen. Da keiner von uns dabei sein kann, wenn die Urne mit seiner Asche beigesetzt wird, schicke ich nun diese Kondolenzworte nach Eichenau.

Herr Blab war sehr lange für den Verein „Freunde von Wischgorod“ aktiv tätig. Sowohl bei der Ladung der Hilfstransporte, als auch bei der Begleitung der Kinder aus Wischgorod in Eichenau konnte man ihn antreffen. Mehrmals hat er auch Wischgorod besucht und hat sich für den Wiederaufbau und die Inbetriebnahme des Kinderhauses im Dorf Nowi Petriwzi bei Wischgorod eingesetzt.

Sein Beitrag zum Ausbau der freundschaftlichen Beziehungen zwischen der Gemeinde Eichenau und der Stadt und dem Kreis Wischgorod wird einem erst bewusst, wenn man die Geschichte dieser Partnerschaft über die Jahre hinweg verfolgt, mit all ihren Höhen und Tiefen. Wie bei jeder Zusammenarbeit, bei jeder freundschaftlichen oder beruflichen Beziehung sind Konstanz und Nachhaltigkeit sehr wichtig. Um eine Rose zum Blühen zu bringen, sollte man sie düngen und begießen, und zwar regelmäßig, geduldig und ganz ruhig. So könnte man auch die ehrenamtliche Tätigkeit von Herrn Blab für den Ausbau der Partnerschaft zwischen Eichenau und Wischgorod  bezeichnen  – er wirkte stets freundlich und zeigte seine Hilfsbereitschaft bei jeder Aktion für den Freundschaftskreis Wischgorod e.V.“. Wir haben ihn als einen eher ruhigen und friedlichen Menschen erlebt, aber um die Sachen des Vereins voranzutreiben, Aktivitäten zu planen, Reisen zu planen und sie auch zu realisieren bedarf es offenbar noch anderer persönlicher Qualitäten wie Beharrlichkeit und Zielorientierung, die Werner Blab hatte und die er auch lebte. Und so konnte die Vereinstätigkeit und mit ihr die Freundschaft  zwischen Eichenau und Wischgorod dank seinem persönlichen Einsatz nicht einschlafen und komplett in die Vergessenheit geraten.

Der sich nähernde Herbst bringt die einst grünen Blätter zum Welken – und so büßt auch der alternde Mensch seine Kraft ein und überlässt die zeit- und energieintensiven Aktivitäten den anderen, die sie weiterführen können. So schied auch Herr Blab aus dem aktiven Vereinsleben aus, indem er die Führung des Vereins an andere Mitglieder übertrug.

Es ist traurig zu erfahren, dass der Mensch, dem man lange persönlich gekannt und erlebt hat, nicht mehr unser Begleiter auf dieser Welt ist. Jenseits des irdischen Trubels wird er seine Ruhe finden, und wir, die wir Werner Blab jahrelang persönlich kannten, werden uns mit tiefster Dankbarkeit seiner und seiner guten Werke erinnern, deren Früchte wir jetzt durch den intensiven Austausch zwischen Wischgorod und Eichenau ernten können. Er war einfach da, er tat etwas Wichtiges, dessen Bedeutung wir jetzt richtig schätzen können.

Danke für alles, lieber Werner!

Deine Wischgoroder Freunde:

Олексій Дорошенко (Alexej Doroschenko), Татьяна Михалко (Tatjana Michalko), Familie (Schadan)

Nachruf von Anatolij Burlij

Mit tiefem Kummer und Überraschung erfuhr ich vom Tod des lieben Herrn Werner Blab. Auf den ersten Blick war das ein normaler, schlichter bärtiger Mann mit leicht verdunkelter Brille, ein bisschen neugierig und lächelnd, aber wie es sich herausstellte, mit einer breiten Seele und einem freundlichen Herzen.

Mein erstes Treffen mit ihm war 1997 vor der Kirche von Boris und Gleb, als ich dort bei der Restaurierung der zerstörten Kirche half. Er versuchte in verschiedenen Aspekten Partnerschaftsbeziehungen mit Wischgorod aufzubauen. Er interessierte sich auch für die Geschichte und Kultur unserer Gegend. Dank seiner Fürsorge erhielten die Kirche und die Sonntagsschule Hilfe von der Gemeinde, und wir konnten Bodenmaterialien für die Kirche und die Sonntagsschule erwerben. Ich bin Werner Blab persönlich dankbar, dass ich Gelegenheit hatte, die Gemeinde Eichenau kennenzulernen, die Familie, die mich hier in Eichenau aufgenommen hat, die Kultur und Sprache Deutschlands besser zu lernen.

Er setzte seine ganze Kraft ein, um anderen, besonders aber den Kindern zu helfen. Er kam nach Wischgorod immer, sogar wenn er auch krank war. Es war für mich eine außergewöhnliche Person, umfassend, ansprechbar und immer bereit zu helfen. Für mich war er der erste Deutsche, den ich kennengelernt habe.

Mein Mitgefühl gilt seinen Angehörigen.

Ich werde ihn stets in dankbarer Erinnerung behalten.

Анатолий Бурлий (Anatolij Burlij)

 

Den Nachruf können Sie hier als PDF herunterladen.

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